Alles fing damit an, dass ich 2010 eine berufliche Auszeit nehmen musste. Ein Leben auf der Überholspur kann nicht von Dauer sein. Ich musste mir klar werden, was ich will!
Und so kam ich dahin zurück, was mich meine gesamte Kindheit- und Jugendzeit begleitet hatte. Die Pferde!
Schon immer gaben mir Pferde die Ruhe und Erdung die ich brauchte. Das Gefühl, das Leben zu genießen, nichts zu müssen, keinem Zwang zu unterliegen und die Freiheit zu nutzen, die ich habe.
Der Entschluss stand somit fest. Ich suchte mir eine Reitbeteiligung. Wobei von suchen keine Rede sein konnte, es drängelte sich mir förmlich auf. Und nach dem ich 1,5 Jahre meine reiterlichen Fähigkeiten wieder auffrischen und erweitern konnte, trat er in mein Leben - EL MIRO!
Wobei das nicht ganz richtig ist, denn El Miro stand bereits auf dem Hof, wo ich auch meine Reitbeteiligung hatte. Und El Miro war auch das erste Pferd auf dem Hof, was mich zu meinem Vorstellungsbesuch dort begrüßte. Ich kannte ihn also schon 1,5 Jahre bzw. wusste, dass es ihn gibt.
Unsere 1. Begegnung war übrigens auch spannend.
Es war ein Herbsttag und ich stellte mich für das erste Kennenlernen bei der Stallbesitzerin - und noch heute Freundin - vor. Wir gingen über den Hof auf El Miro seine Koppel.
Er war damals 2,5 Jahre alt und stand mit einem anderen Jungpferd zusammen. Die Koppel war etwas abschüssig und ziemlich aufgeweicht und rutschig von dem Regen der letzten Tage.
Nach dem uns die beiden Jungspunte wahrgenommen hatten, kamen diese mit einem Affenzahn auf uns zu galoppiert. Als sie merkten, dass wir uns nicht bewegten, stemmten die Beiden die Hufe in Wiese, rutschten weiter auf dem schlammigen Boden und kamen kurz vor uns, in einem angenehmen Abstand zum stehen.
Ich weiß noch das ich dachte: "ich haue gleich ab. Der rennt mich doch um!" So was hatte ich noch nie gesehen. Aber nein! Es ging alles gut.
Und natürlich war El Miro derjenige, der direkt vor mir abgebremst hatte ;-)
Heute würde ich sagen, er hat mich damals schon ausgesucht. Und am Ende kam es auch so. Am 01.06.2013 erfüllte ich mir - zum Kindertag - meinen sehnlichsten Wunsch. Ich kaufte mir mein 1. Pferd! Meinen El Miro.
Noch heute kann ich die Freude, die Aufregung, die Anspannung und den Stolz nachfühlen. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin.
Und so begann ich, meinen damals 4,5 jährigen El Miro auszubilden. Langsam und behutsam und immer in seinem Tempo. Es war toll. Wir wurden eine richtige Einheit.
Doch nach diesem wundervollen Start, hatten wir auch einen bitteren Absturz. Wobei der Absturz eher mir galt und bitte nicht wörtlich - im Sinne von "ich falle von etwas herunter" - zu verstehen ist. Ich wollte mehr, setzte ihn unter Druck, hörte auf Andere anstatt auf mein Gefühl und setzte somit unsere Beziehung auf's Spiel. El Miro wehrte sich vehement gegen diesen Wandel und verweigerte sich, wo er nur konnte. Das ging soweit, dass er noch nicht mal mehr von der Koppel mit mir mitkam.
Es musste sich alles ändern! El Miro war - und ist es bis Heute - der festen Überzeugung, dass der herkömmliche Reitstil definitiv nichts für uns ist. Keine Zwänge, jede Art von Druck und schon gar nicht Dominanz haben in unserem gemeinsamen Umgang miteinander Platz.
Wie sagte er einmal: "Ich bin kein gewöhnliches Reitpferd. Es müssen alle Faktoren stimmen und dann braucht es keine Worte mehr!"
Und so ist es auch.
Für mich bedeutete das, dass ich wieder zu suchen begann. Zu suchen nach einer Kommunikation, die uns beiden gut tut. Die wir beide verstehen und die uns hilft, wieder zueinander zu finden. Und so hatte ich 2014 von der wundervollen Philosophie gehört, welche uns noch bis heute begleitet - "Mit Pferden sein" nach Sabine Birmann.
Ich absolvierte einige Grundkurse und Tagesseminare und lernte so, El Miro wieder zuzuhören, ihn zu verstehen, seine Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen und ein Leben mit ihm zu führen.
Ich lernte aber auch, vor allem an mir zu arbeiten. Denn wenn ich eins aus den Kursen für mich mitgenommen hatte war es das, dass ich an unserem damaligen Zustand den Hauptanteil trug. Und diese Erkenntnis war bitter, sie tat weh und ich fühlte mich wahnsinnig schuldig und enttäuscht von mir selbst.
Doch einen großen Vorteil hat es, wenn man in sein Spiegelbild blickt und das einem so gar nicht gefällt. Man kann es ändern! Und das tat ich und tue dies bis heute.
El Miro inspiriert mich und sorgt dafür, dass ich kontinuierlich dran bleibe. Das ich meine Punkte ausfindig mache, ansehe und ändere. Er hat u.a. einen großen Anteil daran, wer ich nach 2010 geworden bin, wie ich mich in meiner Persönlichkeit geändert habe und wohin ich mich noch entwickeln werde!
Doch dabei sollte es nicht bleiben...
Lies nach, wie es weiter ging :-)